Hier stellen wir euch vor, was die Zeitung schreibt:


Möhnesee – 02.09.2020 Thomas Brüggestraße

Letztes von fünf Kandidaten-Interviews

und kaum steht der Kaffee auf dem Tisch, ist Uwe Beißner von den Grünen sofort beim ersten Projekt: Lärm-Anzeiger für die Straßen, so in der Art wie diese Tempo-Anzeigen mit Smiley, damit die Radau-Fahrer und Protzer vom Gas gehen? „In Baden-Württemberg gibt’s das als Modellprojekt. Ich baue solche Anlagen in meiner Firma“, sagt Beißner: „Keine Bastel-Lösung, sondern was Solides. Ich packe an, ich bin ein Tüftler, und als Konstrukteur bin ich gewohnt, die Teile bis zur letzten Schraube zusammenzusetzen, da lasse ich nicht locker.“


Und was ist schiefgelaufen, dass Sie kurz vor knapp noch umsatteln wollen?

 (lacht) Nichts, ist doch klar: Die Dinge müssen sich ändern in Möhnesee, dafür habe ich ein 100-Tage-Programm geschrieben, dafür brenne ich. Endlich das längst versprochene Bürgerbüro im Rathaus! Mehr Basisdemokratie und Beteiligung! Weniger Verkehrslärm! Eine Bauprojektliste auf dem neuesten Stand – das alles setze ich ganz nach vorne. Drei Monate gebe ich mir dafür, dass alles angepackt wird. Ich meine es ehrlich!“

Ich führe ein erfolgreiches kleines Unternehmen – ich müsste gar nicht Bürgermeister werden, ich weiß noch nicht mal genau, was man da so verdient. Die Firmenleitung gebe ich dann ab, das habe ich alles schon durchgespielt.


 Sie sind der fünfte Kandidat, der Bürgermeister werden will. Warum so spät?

 Meine Pläne waren anders. Ich wollte im nächsten Rat eine starke grüne Fraktion führen – ich gehe davon aus, dass wir deutlich mehr als drei Ratsmandate holen werden. Der Zulauf im Moment zeigt, dass wir die richtigen Themen anpacken, dass grüne Themen immer wichtiger werden, dass unsere Arbeit im Rat anerkannt wird. 

 

Und jetzt doch lieber Bürgermeister als Fraktions-Chef, warum das? 

Weil ich’s kann. Ich habe alle Mitbewerber zu mir nach Hause eingeladen, und ich kann im Nachgang sagen, dass ich ganz konkrete Vorstellungen habe, wie ich die Dinge anpacken will. Ich kann reden, auch vor vielen Leuten. Ich kann überzeugen. Ich will diese Talente einbringen, weil es mich über die Maßen ärgert, dass hier in der Gemeinde viel geredet wird und dann nichts passiert. Ich bin überzeugt: Das wollen viele nicht mehr! Ich hoffe, sie haben auch den Mut zur Veränderung an der Wahlurne. Wir haben erstmals die Chance auf einen grünen Bürgermeister für Möhnesee! 

 

Wie kommen Sie zu der Einschätzung? 

Seit 2004 arbeite ich für die Grünen in den Ausschüssen und im Rat – ich kenne die Befindlichkeiten. Ich sage es mal überspitzt: 90 Prozent der Dinge, die wir übers Jahr bereden, die könnten wir in zwei Wochen abhandeln. Ich will machen statt reden. Vor allem will ich eines: Zuhören! Sehen wir es mal ganz konkret: Corona kann nicht die Ausrede sein, dass Monate lang keine Ausschüsse tagen. Wenn Themen wie Verkehr, Lärm, Touristik die öffentliche Diskussion beherrschen, dann muss es Mittel und Wege zum politischen Dialog geben. Dass dies über Monate nicht geschehen ist, und dass die dafür Verantwortlichen sich zeitgleich in öffentlichen Äußerungen als Macher präsentieren, das hat den Ausschlag gegeben, warum ich überhaupt kandidiere. 

 

Wie wäre es dann bei Ihnen? 

Ich will es anders, ich will, dass die Ausschüsse wieder häufiger tagen, themenbezogen auch in den Orten und immer mit einer Bürger-Fragestunde vorweg. Auch vor den Ratssitzungen und das sofort. Ich will anders als die übrigen Parteien auch, dass Bürgerbewegungen und Interessenvertretungen in den Ausschüssen mitreden dürfen. Ich will, dass qualifizierte Sachvorträge und aussagekräftige Vorlagen die Ratsarbeit und die politische Diskussion bestimmen. Wir dürfen nichts auf die lange Bank schieben. Runde Tische? Gerne – der erste und wichtigste Runde Tisch muss aber der Schreibtisch des Bürgermeisters sein, und der muss zuhören können und wollen. Er muss eine Verwaltung leiten, die selber agiert und nicht reagiert. 

 

Hört sich schön an – können Sie das alles überhaupt? 

Verwaltung? Ich bin Architekt, ich bin Diplom-Ingenieur für Ortsbild-Gestaltung, Dorferneuerung und Denkmalpflege, für Behörden ausgebildet. Ja, ich kann! 

 

Wie soll das aussehen unter Ihrer Führung? 

Eine moderne Verwaltung, die Digitalisierung kann – davon reden ja alle. Aber digital ist eben nicht alles: Wir brauchen dringend das Bürgerbüro als erste Anlaufstelle für alle, einen Sammelpunkt, wo wir unsere Spezialisten zusammenholen, wo wir alles das, was später digital passieren soll, analog durchspielen. Für mich muss das gleichberechtigt nebeneinander bestehen bleiben und das noch eine ganze Weile: Ich kann jeden verstehen, der lieber mit einem Menschen redet als mit seinem Computer. 

 

Was steht weiter im 100-Tage-Programm? 

Die Wirtschaftsförderung. Das ist Chefsache, aber die Wirtschafts- und Touristik GmbH braucht mehr Personal und mehr Platz als Anlaufstelle für Wirtschaft, Gewerbe und Handel. Beides wird sie bei mir bekommen. Und ich will auch, dass sie Gehör bekommt: Den Britischen Club etwa, den möchte ich so umgesetzt haben mit Stellplätzen für Wohnmobile und mit Häuschen, wie ich das bereits als grünes Mitglied der WiTo in Plänen und in Raumkonzepten dargestellt habe: Es ist jetzt die Chance, das Gelände am Südufer vom Ruhrtalsperrenverein zu pachten und selber zu entwickeln, gemeinsam mit allen Interessengruppen und der Politik – als Filetstück, als Paradebeispiel für sanften Tourismus am See, als ein traumhaftes Badeparadies für uns alle! Daneben müssen wir konkret auf Corona reagieren, die Leute stärken. 

 

Wie das? 

Der Rat hat beschlossen, die Tourismusabgabe zunächst auszusetzen. Ich möchte stattdessen eine Bettensteuer: Wer hier übernachtet, der zahlt eine Abgabe – dann zahlen die Gäste und nicht die heimischen Betriebe, die teils nicht mal was vom Tourismus haben. Daneben sollten wir der Gastronomie helfen, z. B. großzügig Außenflächen zur Verfügung stellen, die Pacht anpassen! Wir sollten die Beiträge zu Kindergärten und der offenen Ganztagsschule aussetzen – das bringt Familien ein Plus, das auch vor Ort ausgegeben wird – das sind nur zwei von vielen Ideen, die ich zügig angehen will. Dass mir grüne Themen am Herzen liegen, das unterstreiche ich dabei ebenso wie mein Bekenntnis zu den Ortsteilen: Heimat – das sind für mich die Menschen rund um den See, und es sind die vertrauten dörflichen Strukturen. Neue Investitionen müssen vorrangig die Ortsteile beleben, deren kulturelle Identität fördern. Das ganze Programm steht bei den Grünen im Netz – wir haben übrigens dort auch alle Mitbewerber verlinkt.



 
 
 
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